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Die Braut.

Review

Internationaler Fernwanderweg Donnersberg/Pfalz - Donon/Elsass (deutscher Abschnitt)

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Thomas Frisch

August 11, 2019 · Community
Anders als hier dargestellt, sind die Zeiten dieses "Internationalen Fernwanderweges" lang vorbei. Auf weiten Strecken ist die letzte Markierungsrunde schon Jahre her oder die Farbe fehlt bereits ganz. Es existieren weder ein Eingangs- noch ein Endportal und sowas wie "Fernwanderern" begegnet man praktisch überhaupt nicht (zumindest im deutsche Abschnitt). Das muss jedoch kein Nachteil sein, im Gegenteil. Nach wie vor handelt es sich hier um eine landschaftlich hochattraktive Route zur Nord-Süd-Durchquerung der kompletten Pfalz und wenn man möchte auf dem G.R. 53 bzw. 5 weiter den Vogesenkamm hinunter bis nach Masevaux oder Belfort am Fuße des Ballon d`Alsace. Im Gegensatz zu den "neuzeitlichen" Weitwanderwegen und gehypten "Steigen" ist auf dem "Roten Strich" immer noch Wandern in der Stille möglich und ich persönlich fände es sehr schade, wenn der Pfälzerwaldverein es nicht mehr fertigbrächte diesen zu unterhalten. Nach einer Komplettbefahrung der in etwa parallelverlaufenden PWV-Routen "Blau-gelber Balken" und "Blaues Kreuz" mit dem Mountainbike hatte ich mir dieses Jahr den "Roten Strich" vorgenommen - eine Aufgabe, welche man in zwei bis drei (Einzel-)Tagen gut bewältigt bekommt, da man alle Etappenorte bequem mit der Bahn erreichen kann. Zu Fuß sollten 5 stramme Tage bis zur Wegelnburg ausreichen. Meine Variante: 1. Etappe Kreuznach-Winnweiler (62 km/ 1800 Hm Der Wanderweg beginnt "offiziell" bereits am Bahnhof in Bad Kreuznach und leitet mit einer leicht überdehnt wirkenden Schlängelschleife über die Hardt, den Rotenfels und das drunterliegende Nahetal. Leider wurde die Markierung in diesem Bereich schon sehr lange nicht mehr gepflegt, so dass sich nur Besitzer von relativ alten Wanderkarten im Mikroabenteuerdschungel der Vital-Touren noch einigermaßen zurechtfinden. Zwischen Norheim und Ebernburg fand ich den Weg völlig verwachsen und ungangbar vor, hier teilweise auch noch mit einem "gelben Strich" markiert. Ab dem Nahe-Alsenz-Eck in Ebernburg wird die Markierungssituation dann endlich besser, der Weg windet sich anmutig empor zum Schäferplacken und wieder hinab ins Eilbachtal mit dem Sträßchen Altenbamberg-Steigerhof (Vorsicht: hier offensichtliche Markierungslücke). Die Landschaft öffnet sich und man genießt (trotz Windrad-Verspargelung) herrliche Weitblicke über die Nordpfalz zum Donnersberg, über das Appel- und das Alsenztal. Vorbei an Winterborn erreicht man die markante Kuppe des Spannagels, steigt hinunter ins Appelbachtal nach Oberhausen und wendet sich dem verwunschenen Tal des Gutenbaches zu. In einem hübschen Wechsel von Berg und Tal, Wiese und Wald wird das (ehemalige Gast- und) Forsthaus Pfalz erreicht. Je näher der Donnersberg rückt, desto klarer wirkt die Auszeichnung, wirklich belebt geht es allerdings nur im Bereich des Königstuhls zu. Der Trail hinab zur Mordkammer, Ruine und Dorf Falkenstein sowie die Schlucht sind weitere Highlights dieses anstrengenden Tages. 2. Etappe Winnweiler-Hinterweidenthal 60 km/ 1150 Hm Nach einem Überführungsstück durch die Hügellandschaft zwischen Langmeiler Senke und Alter Welt passiert man relativ zügig den Großstadtbereich von Kaiserslautern (knapp 3 km Siedlungsbrei) und tritt unmittelbar danach ein in das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Bereits kurz hinter dem Bremerhof ist man wieder vollkommen allein mit sich und der Natur. Trippstadt und Leimen bilden die einzigen menschlichen Ansiedlungen auf dieser Strecke, dazwischen durchquert man gewaltige Waldeinsamkeiten um das pittoreske, tiefeingeschnittene Schwarzbachtal oder um die Kernzone mit den Wieslauterquellflüssen. Erst kurz vor dem Etappenziel empfangen einen wieder menschengemachte Geräusche in Form von Verkehrslärm der hier kreuzenden B 10. 3. Etappe Hinterweidenthal-Wegelnburg-Wissembourg 45 km/ 850 Hm Nach flachem Beginn in Wieslautertal folgt ein kurzes unnötig verspieltes Wegstück über die Ruine Neudahn und einige Felskuppen. Schön für die Wanderer, für Biker kaum fahrbar. Danach weiter stramm nach Süden, immer mal wieder mit knackigen Trailpassagen durchsetzt, am Ende in einem langen und fordernden Anstieg bis zum Kaiser Wilhelm-Stein an der französischen Grenze. Wer zur (lohnenden) Wegelnburg möchte, muss hier nochmal kurz rechts abbiegen. Um den nächstgelegenen Bahnhof anzusteuern bietet sich die Weiterfahrt über den G.R. 53 nach Wissembourg an (ebenfall mit "rotem Strich"). Super Downhill und flowige Trails bis Petit Wingen, von dort noch einmal anstrengend hinauf bis zur Scherhol und zuletzt in einer Spitzenabfahrt bis vor die Tore des romantischen elsässischen Städtchens.
Done at August 12, 2019
Die alten PWV-Schilder sind ab und an noch zu entdecken ...
Die alten PWV-Schilder sind ab und an noch zu entdecken ...
Photo: Thomas Frisch, Community
Blick vom Spannagel (oberhalb von Alsenz) über die Nordpfalz
Blick vom Spannagel (oberhalb von Alsenz) über die Nordpfalz
Photo: Thomas Frisch, Community
Alter Wegweiser am Spannagel
Photo: Thomas Frisch, Community
Bei Potzbach - Blick zurück zum Donnersberg
Photo: Thomas Frisch, Community

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