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Morgenberghorn und Dreispitz

· 1 Bewertung · Bergtour · Schweiz
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Dominik Schittny 
  • Sonnenaufgang hinter dem Morgenberghorn
    Sonnenaufgang hinter dem Morgenberghorn
    Foto: Dominik Schittny, Community
m 2500 2000 1500 1000 500 30 25 20 15 10 5 km
Eine wunderschöne Wochenendwanderung mit zwei Gipfelbucheinträgen und herrlichen Aussichten. Allerdings muss sich das auch verdient werden: Auf den Alpinwegabschnitten ist Vorsicht geboten und durch die vielen Höhenmeter wird die Kondition auf die Probe gestellt. Während das Morgenberghorn viel bewandert wird ist es auf dem Dreispitz eher ruhiger.
schwer
Strecke 33,5 km
16:41 h
2.960 hm
3.270 hm
2.520 hm
706 hm

Um kurz vor acht Uhr morgens stehe ich auf einer Höhe von 1015 Metern in Aeschiried vor dem Wegweiser und muss feststellen, dass ich mir von allen angezeigten Orten, 17 an der Zahl, ausgerechnet den zweitweitesten ausgesucht habe: Das Morgenberghorn wird mit vier Stunden und fünfundzwanzig Minuten nur noch von Saxeten, fünf Stunden Marschzeit, übertroffen. Allerdings ist mir bewusst, dass einem das Morgenberghorn wesentlich mehr Höhenmeter abverlangt. Nicht zuletzt ist dieser Gipfel aber keineswegs mein Tagesziel sondern nur mein Mittagsrastplatz. Danach folgt noch der Abstieg nach Suld, was von hier aus in nur eineinviertel Stunden zu erreichen wäre. Jetzt könnte man schon fast auf die Idee kommen ich würde dort wie ein Faulpelz in ein Postauto einsteigen und gemütlich meinem warmen Bett entgegen fahren, wären da nicht Zelt, Schlafsack, Liegematte und 19 Kilo Gepäck auf meinen Schultern. Das alles gilt es heute noch von Suld auf den rund 600 Höhenmeter weiter oben gelegenen Renggpass zu schleppen, in dessen Nähe sich ein geeigneter Platz für ein Biwak befindet. Der Biwakplatz wurde mit Hilfe von Googel earth gesucht und gefunden und so ausgewählt, dass er über der Baumgrenze und weitab von jeglicher Zivilisation liegt ohne dabei in einem Jagdbann-, Wildschutz- oder Naturschutzgebiet, einer Wildruhezone oder ähnlichen zweifelslos schützenswerten Landschaften zu sein. Damit ist der ausgewählte Platz zum Wildcampen so legal wie es in der Schweiz überhaupt möglich ist. Der Website „maps.geo.admin“, die all diese Schutzgebiete anzeigt, sei Dank!

Am Ende ist aber, beim Wandern noch viel mehr als sonst wo, der Weg das Ziel und so mache ich mich an diesem wunderschönen Herbsttag frischen Mutes auf den Weg. Bereits nach den ersten wenigen Höhenmetern gelange ich über die Wolkendecke und beobachte, wie die Spitze des Niesens hinter mir langsam in die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen eintaucht. Die Freude wird noch grösser, als ich nach knapp zehn Gehminuten vom Startpunkt einen Wegweiser mit der Aufschrift „Morgenberghorn, 3h 30min“ erreiche. Allerdings wird der naive Wanderer hier endtäuscht, da er in der nächsten kappen Stunde nur fünf Wegweiserminuten zurücklegen wird.

Nach der Überquerung einer Wiese mit einem schönen Natursteinbrunnen geht es auf einem schmalen, jedoch asphaltierten Wanderweg etwas bergauf. Inzwischen ist der gesamte Niessen hell beleuchtet und das ganze Wolkenmeer kann überblickt werden. Linkerhand des Weges kann auch der Brienzergrat mit Suggiture und Augstmatthorn erkannt werden, wo ich vor zwei Wochen unterwegs war. Nach anderthalb Stunden Wanderung durch liebliche Wälder und über saftige Kuhweiden eröffnet sich die freie Sicht auf das Morgenberghorn, hinter dessen Gipfel gerade die Sonne aufgeht (Bild 1). Unterhalb der Felswand in der Nordwestflanke des Berges ist auch schon die Hütte von Brunni zu erkennen.

In Brunni angekommen bemerke ich, dass die Hütte offenbar bereits in der Winterruhe und verlassen ist. Daher beschliesse ich während einer kurzen Pause die gute Aussicht vom nahegelegenen Punkt 1660 aus zu geniessen (Bild 2). Von dort aus sieht man auch auf den Renggpass und den steilen Aufstieg dorthin. Kaum zu glauben, dass ich heute Abend bereits dort sein werde… Deshalb wird es Zeit den Rucksack wieder aufzuschnallen und hinter Brunni mit dem Aufstieg zu beginnen. Der Weg ist steil und bei den aktuellen Bedingungen auch schlammig und rutschig. Bei einzelnen schwierigeren Stellen, bei denen die Hände am kalten Fels sicherlich hilfreich sind, ist deshalb Vorsicht geboten. Bei der Felsstufe angekommen folgt eine kurze mit einer Kette gesicherte Stelle. Hier sind nur wenige Höhenmeter zu überwinden, diese aber fast senkrecht.

Oberhalb der Felsstufe und somit auch auf Höhe der Baumgrenze kann jetzt wieder in der wärmenden Sonne weitergewandert werden. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass das gar nicht nötig wäre, weil einem hier sowieso Schweissperlen auf die Stirn getrieben werden. Bei einer konstanten Steigung führt der Weg hier vorerst durch eine Landschaft mit hohem Gras, das aber immer kürzer wird und hier und da bald von Gestein überdeckt ist. Bald folgt wieder eine mit einer Kette gesicherte steile Stelle (Bild 3) nach der dem Westgrat des Morgenberghorns (Bild 4) gefolgt wird. Von hier aus ist auch das morgige Ziel und damit der höchste Punkt dieser Tour, der Gipfel des Dreispitz, zu erkennen (Bild 5). Bald schon wird der Weg wesentlich flacher und neben dem nahe gelegenen Gipfel des Morgenberghornes ist in nordöstlicher Richtung auch der Leissiggrat zu erkennen (Bild 6). Um zwanzig vor zwölf wird dann schliesslich der Gipfel des Morgenberghornes (Bild 7) erreicht und die Zeit für einige wohl verdiente Sandwiches bei einer grandiosen Aussicht ist gekommen.

Nach einer gemütlichen Mittagspause und dem obligatorischen Gipfelbucheintrag mache ich mich wieder auf den Weg. Nach einigen Metern auf dem Südgrat führt der Pfad in die steile Südostflanke. Hier ist der Weg etwas ausgesetzt. Vor allem bei der Schlüsselstelle dieses Abstieges (Bild 8) ist eine gute Trittsicherheit und Schwindelfreihet erforderlich. Durch einen steilen und felsigen Hang (Bild 9) führt ein mit einer Kette gut gesicherter Pfad steil abwärts durch Fels und Geröll. Ist diese Stelle überwunden geht es wieder gemütlich und wenig steil über eine angenehme Wiese hinunter in Richtung Rengglipass. Nur noch einmal wird es etwas steil bevor das Morgenberghorn jetzt auch von der anderen Seite betrachtet werden kann (Bild 10).

Der Rengglipass ist durchaus schön und lieblich, für heute habe ich mir allerdings etwas Grösseres vorgenommen, namentlich den Renggpass  ;-)  Vorerst erfolgt der Abstieg durch eine Graslandschaft mit einzelnen Bäumen, dieser ist nur teilweise steil, weist aber auch wenige steilere Passagen auf. Beim Latrejebach angekommen ist noch genügend Zeit für eine kurze Siesta bevor dem Suldtal bergab gefolgt wird. Um kurz vor drei Uhr tauche ich wieder in die Wolken ein und folge dem Latrejebach rechtsseitig, der immer wilder und lauter wird. Zwischenzeitlich steigt der Weg nochmals an und führt einige Meter oberhalb des Gewässers durch, das sich hier in eine tiefe Schlucht gefressen hat. Im Wald bei der nächsten Wegverzweigung biege ich links ab, überquere den Latrejebach und steige auf dessen anderen Seite weiter steil bergab. Als ich um halb vier Uhr nachmittags den spektakulären Pochtefall erreiche muss ich leider feststellen, dass ich mich auf Grund des Nebels lediglich an dem von ihm produzierten Lärm erfreuen kann.

In Anbetracht der doch schon vorangeschrittenen Zeit beschliesse ich auf der Strasse, auf die der Wanderweg führt, links abzubiegen. Der offizielle Wanderweg führt nach rechts und erst später nach links und wieder auf die von mir begangene Strasse. So spare ich ein paar unnötige Höhenmeter denn es kommen noch genug. Die Strasse führt leicht ansteigend durch einen Wald und bald darauf über eine Wiese. Nachdem ich der Strasse eine knappe halbe Stunde gefolgt bin zweigt der Wanderweg rechterhand nach Undere Obersuld ab und führt durch einen Bauernhof. Von dort an geht es über Wiesen, wo der Pfad fast oder gar nicht zu erkennen ist. Immer wieder sind Weiss-Rot-Weisse Markierungen zu sehen. Diese muss ich im dichten Nebel bei deutlich unter zehn Metern Sicht aber alle einzeln suchen und die Orientierung wird mühsam. So komme ich etwas vom Weg ab und gelange dadurch an den Rand einer Felssturzablagerung. Hier sind Berge von grossen Gesteinsbrocken und halben Bäumen aufeinandergehäuft. Ein imposanter Anblick, der durch den Nebel wahrscheinlich noch an Wirkung gewinnt. Mit der Wanderkarte finde ich wieder auf den Weg zurück, der jetzt in den Wald führt und wieder gut sichtbar ist.

Im Zickzack geht es weiter hinauf und nach Einlage einer kleinen unnötigen Ehrenrunde (siehe Wegbeschreibung) wird es sogar noch steiler. Bald verlasse ich den Wald und lege kurz darauf bei einer kleinen verlassenen Hütte eine kurze Rast ein. Danach geht es vorerst gut voran und ich folge der klar ersichtlichen Wegspur. Mit der Zeit ist der Weg aber immer weniger gut zu erkennen, bis er schliesslich nicht mehr sichtbar ist. Von hier an wird es mühsam und jede noch so gut angebrachte Bergwegmarkierung muss im dichten Nebel gesucht werden, wodurch ich bis um sechs Uhr benötige um den Renggpass zu erreichen. Leider bleibt meine Hoffnung über die Wolkendecke zu gelangen unerfüllt und ein nicht allzu fahrlässiges Weiterwandern ist nicht möglich.

Nachdem der Beschluss gefallen ist bei diesen schlechten Verhältnissen nicht mehr den noch etwa sechzig Minuten entfernten Biwakplatz weiter oben zu suchen steht schnell fest: Ein Notbiwak muss her! Auf dem Pass gibt es viele ebene und gut geeignete Grasflächen, allerding befinde ich mich hier in einem Naturschutzgebiet. Dies ist selbst bei Nebel unübersehbar und mit einem durchgestrichenen Zeltsymbol gekennzeichnet. Daher fühle ich mich gezwungen den leerstehenden Stall, an dem der Hinweis auf das Naturschutzgebiet angebracht ist, zu meinem Heim zu erklären. Zum Glück ist der Alpabzug schon durch sodass ich das Dach über dem Kopf nicht mit ein paar Dutzend Kühen teilen muss. Durch die offene Türe gelange ich ins Innere des „Gebäudes“ und finde auch gleich einen Besen, um eine kleine Fläche des Bodens etwas sauber zu fegen. Es ist sehr düster und neben wenigen kleinen Strohballen sind auf einigen Brettern unter dem Giebel noch diverse Werkzeuge und Geräte eingelagert. Durch die nicht verschliessbaren Fenster, oder besser gesagt die besseren Löcher in der Hauswand, strömen weisse Wolkenfetzen ins Innere. Schnell habe ich die Zeltplane ausgebreitet und mich mit Liegematte und Schlafsack eingerichtet. Um sieben Uhr beginnt die Dämmerung und auf Grund von Unterbeschäftigung in dieser Nebelsuppe beginnt meine Nachtruhe heute bereits um kurz vor acht. Bei wesentlich höher als erwarteten Temperaturen von sehr humanen fünf Grad Celsius kann ich auf 1817 Metern Höhe bestens schlummern.

Am nächsten Morgen werde ich von meinem allzeit überaus beliebten Wecker aus dem Schlaf gerissen. Als mein erster Blick erwartungsvoll durch die offene Stalltüre fällt und ich nur grau erkennen kann ist die Endtäuschung gross. Die Aussicht hat sich seit gestern Abend kein Bisschen verbessert. Also geniesse ich in Hoffnung auf Besserung erst einmal ein gemütliches Frühstück. Aber auch danach sieht es nicht rosig aus. Ich beschliesse bis um zehn Uhr abzuwarten ob sich die Wolken lichten und erst dann zu entscheiden wie und wodurch es weiter geht.

Bis dahin mache ich mich auf, den Renggpass ein Bisschen zu erkunden. Dem breiten Weg in Richtung Rengg folgend bleibe ich plötzlich stehen und lausche. Immer wieder sind merkwürdig klingende Rufe und ein Krächzten zu vernehmen. So schleiche ich langsam weiter und erblicke plötzlich Birkhühner (Lyrurus tetrix), die offenbar mit irgendeiner Art von Konkurrenzkampf oder Territorialverteidigung beschäftigt sind, da es für die Balz bereits viel zu spät im Jahr ist. Jedenfalls spreizen zwei Männchen ihre Federn und präsentieren sich von ihrer besten Seite während dem sie sich gegenseitig zu verscheuchen versuchen. Durch eine winzige ungewollte Bewegung regle ich den bislang vogelinternen Konflikt indem ich beide Streithähne verscheuche. Mit lauten Flügelschlägen verschwinden beide gefiederten Tiere in den Wolken. Obwohl ich noch einige Male die Rufe der Birkhühner höre bekomme ich keine mehr zu Gesicht. Diese Vögel sind so scheu, dass ich ein anderes Individuum wegfliegen höre bevor ich es im Nebel überhaupt erkennen konnte. Trotzdem steht fest: Hier ist das Revier der Birkhühner!

Um zehn Uhr bin ich wieder abmarschbereit. Der Nebel ist immer noch da, hat sich aber etwas verdünnt. So beschliesse ich den Dreispitz und damit auch den schwierigeren Alpinweg für heute auszulassen, beim Abstieg aber nicht die schnellste variante sondern diejenige über die Wätterlatte zu nehmen. Schliesslich ist der Wanderweg unschwierig und die Wegspur gut zu erkennen. Nach einem viertelstündigen Anstieg erreiche ich einen Wegweiser. Dort wird es plötzlich heller und ich kann die Sonnenscheibe hinter einer dünnen Wolkenschicht erkennen. Daher muss ich hier schon fast über der Wolkendecke sein. Kurzerhand beschliesse ich umzukehren und doch noch den Dreispitz in Angriff zu nehmen. Nachdem nicht benötigtes Gepäck wie Zelt, Schlafsack und Liegematte beim Übernachtungsort deponiert ist geht es um kurz nach halb elf endlich doch noch in Richtung Dreispitz.

Der Weiss-Blau-Weisse Wegweiser in Rengg gibt zweieinhalb Stunden bis auf den Gipfel an. Zuerst ist der Weg wenig steil und führt über eine Kuhweide. Später wird es etwas steiler, vor Allem aber schlammig und rutschig (Bild 11). Nach knapp zwanzig Minuten geht mein Wunsch endlich in Erfüllung und es herrscht wieder freie Sicht, die Wolkendecke ist überwunden (Bild 12). Kurz darauf ist neben First (Bild 13) und Morgenberghorn (Bild 14) auch die Wätterlatte zu sehen, die auf den Wolken zu schweben scheint.

Langsam geht der weg vom schlammigen ins steinige über und wird dabei auch deutlich steiler. Die Durchquerung der Westflanke des Dreispitz ist ausgesetzt und beinhaltet anspruchsvolle Passagen, bei denen kleine Bachbetten durchquert werden müssen. Nachdem ich unterhalb eines grossen Steinturmes hergewandert bin freue ich mich um zwölf Uhr über den verspäteten Sonnenaufgang. Spätestens ab hier ist der Pfad doch schwierig zu begehen und es herrscht Absturzgefahr (Bild 15). Daher darf hier die nötige Konzentration und Vorsicht nicht fehlen, auch wenn neben einem spektakuläre Gesteinsformationen zu bewundern sind.

Der letzte Wegabschnitt führt durch Schutt und Geröll. Während beim Schutt aufgepasst werden muss nicht auszurutschen und keinen Steinschlag zu verursachen sind die Geröllflächen ziemlich leicht und ohne Schwierigkeiten zu begehen. Dennoch bin ich für diesen Aufstieg froh über die mitgeschleppten Wanderstöcke, die einem noch ein Bisschen mehr Sicherheit verleihen. Während dem Endaufstieg zieht einen der Blick auf First und Morgenberghorn in seinen Bann (Bild 16).

Um zwanzig vor eins stehe ich bei 2520 Metern über Meer endlich auf dem flachen Gipfel des Dreispitz (Bild 17). Auf dem benachbarten Gipfel des First entdecke ich zwei Wanderer, die ich bereits zuvor bei ihren Gipfelsturm beobachten konnte (Bild 18). Wenige Minuten nach ihrer Ankunft brechen sie schon wieder auf und wandern bis kurz vor die Latrejespitz auf dem Grat entlang, der First und Dreispitz verbindet (Bild 19). Dahinter schweift mein Blick aber immer wieder auf die mit Gras bewachsene Südwestflanke des Morgenberghorns und die Abstiegsroute, die zu erahnen ist (Bild 20). Natürlich sind aber auch Eiger, Mönch und Jungfrau zu bestaunen (Bild 21), das gesamte Panorama ist überwältigend (Bild 22)!

Nach dem Mittagessen bin ich dann doch ein Bisschen stolz darauf mich in das Gipfelbuch eintragen zu dürfen. Schliesslich war es ein langer Weg bis hierher und eine alpine Route noch dazu. Doch das Gipfelerlebnis wird, gerade für mich als aviatikaffinen Menschen, noch unvergesslicher als sich plötzlich ein kleines Sportflugzeug nähert: Ein einpropeller Unterdecker mit zwei Piloten hintereinander in einem rundumverglasten Cockpit, und noch dazu Metallfarben Glänzend mit zwei roten Streifen an den Flügeln. Leider kenne ich mich viel zu wenig mit Flugzeugtypen aus als dass ich diesen Flieger hätte einordnen oder identifizieren können… (Wahrscheinlich handelte es sich um einen Pilatus P3, ein altes schweizer Militärflugzeug, von dem 1991 und 1992 35 Maschinen an private Piloten verkauft wurden.) Voller Freude winke ich den Piloten zu als das Flugzeug plötzlich eine steile Linkskurve macht und in meine Richtung fliegt. In einer zweiten Steilkurve steuert der Pilot, freundlich zurückwinkend, das Flugzeug auf meiner Augenhöhe um den Berggipfel herum bevor er abdreht und seinen geplanten Flug fortsetzt. Ein beeindruckendes Erlebnis!

Um halb zwei beginne ich ausgeruht mit dem Abstieg durch das Geröllfeld (Bild 23). Der Weg ist bis Rengg der gleiche wie beim Aufstieg und so komme ich wieder an den spektakulären Gesteinsformationen vorbei (Bild 24). Kurz danach eröffnet sich mir ein toller Tiefblick auf den jetzt Wolkenlosen Renggpass (Bild 25). Von hier aus ist auch die Wätterlatte mit ihren Felsnadeln zu bestaunen, die gerade knapp aus den Wolken ragt (Bild 26).

Mit einem unguten Gefühl stelle ich fest, dass sich aus dem Geröllfeld neben mir immer wieder Gesteinsbrocken lösen und ins Rollen kommen. Leider führt der einzige vor mir liegende Abstiegsweg genau darunter hindurch. An dieser Wegstelle geht aber alles gut und ich kann ohne Steinschlag in der Flanke weiterwandern. Auf halber Strecke nach unten lege ich eine kleine Pause ein (Bild 27), jetzt scheint schliesslich auch hier die Sonne. Der Pfad durch die wunderschöne alpine Vegetation (Bild 28) führt mich zurück zum Renggpass, von wo aus ich um halb vier zum ersten Mal die Aussicht geniessen kann (Bild 29).

Nachdem das im Stall deponierte Material wieder eingepackt ist mache ich mich auf in Richtung Wätterlatte. Den ersten Teil des Weges bin ich heute ja bereits gegangen, bei guter Sicht macht es diesmal aber etwas mehr Spass. Der Weg bis auf den 2007 Meter hohen Gipfel ist einfach zu bewältigen und von hier aus wird mir nochmals ein Wunderschöner Blick auf First und Dreispitz geboten (Bild 30). Auf der Wätterlatte finde ich eine märchenhafte Landschaft mit hohen Gräsern, verschiedenen kleinen Büschen und einigen kleinen Regenwassertümpeln vor. Ich folge dem einfach zu findenden Weg bergab bis Standflue, wo ich mir einen kleinen Abstecher zu Punkt 1978 nicht entgehen lasse. Von hier aus ist im Osten die Wätterlatte, diesmal von der anderen Seite, und im Westen das Engelhorn zu sehen. Bei der Engelalp angekommen gehe ich am Schatthus vorbei und kann erstmals ein Horn „besteigen“ ohne dabei bergauf zu gehen. Von der Aussicht her ist das Engelhorn leider aber nicht sehr lohnend, da es bewaldet ist. Wenn auch nicht so spektakulär ist das allerdings ein sehr gemütlicher Ort.

Zurück bei der Engelalp beginne ich mit dem finalen Abstieg in Richtung Reichenbach. Der Weg führt in den Wald und dort nochmals einigermassen Steil hinunter. Kurz nachdem ich aus dem lichten Wald austrete gelange ich auf 1156 Metern auf eine Strasse, der ich für ein Stück folge. Kurz nach einer Haarnadelkurve geht der Wanderweg links ab in Richtung Scharnachtal. Ab hier geht es immer hinunter, vorbei an Bauernhöfen, Kuhweiden und kleinen Orten. Der Weg zieht sich ein Bisschen, da er nicht mehr allzu spannend aber immer noch teilweise steil ist. In Kien angekommen folgt der Wanderweg wenige Meter dem Fluss „Chiene“, bis rechts einer Strasse gefolgt wird, die sofort wieder rechter Hand verlassen wird. Ab hier ist der Weg eine kleine Asphaltstrasse ohne zusätzlichen Höhenmetern hinauf oder hinunter. In Reichenbach angekommen ist der Bahnhof mit Wegweisern gut zu finden, wo für mich diese grandiose Wanderung um sieben Uhr abends endet.

Autorentipp

Da dies eine lange und anstrengende Tour ist, die einiges an Kondition erfordert, sollte möglichst leichtes Gepäck mitgenommen werden. Da man mit Zelt, Liegematte, Schlafsack, warmer Kleidung für die Nacht, genügend Essen, Trinken für zwei Tage und einer Fotoausrüstung aber schnell auf knapp 20 Kilo kommt ist die Möglichkeit einer Übernachtung in einer bereits bestehenden Unterkunft durchaus verlockend. Dies ist in der Alp Mittelberg möglich.

Für Öffnungszeiten und Informationen:

Alp Mittelberg 
Tel.: 033 654 20 73. 

Andernfalls kann die Tour auch beliebig abgekürzt oder sogar in zwei Eintagestouren aufgeteilt werden: Von Aeschiried zum Morgenberghorn und wieder zurück oder ebenfalls von Aeschiried auf den Dreispitz und von dort aus Abstieg nach Kiental.

Schwierigkeit
schwer
Technik
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Gefahrenpotenzial
Höchster Punkt
Dreispitz, 2.520 m
Tiefster Punkt
Reichenbach, 706 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Exposition
NOSW

Wegearten

Asphalt 13,39%Naturweg 11,96%Pfad 66,76%Straße 1,09%Unbekannt 2,65%
Asphalt
4,5 km
Naturweg
4 km
Pfad
22,4 km
Straße
0,4 km
Unbekannt
0,9 km
Höhenprofil anzeigen

Sicherheitshinweise

Auf der gesamten Tour habe ich keine zweifelsfreie Trinkwasserquelle gefunden. Die Hütten waren Mitte Oktober bereits geschlossen und viele kleine Bäche waren zur Zeit der Wanderung ausgetrocknet. Einzig aus dem Latrejebach hätte wahrscheinlich direkt getrunken werden können. Wer einen Wasserfilter oder etwas für die Wasseraufbereitung dabei hat kann zum Beispiel aber von einer Kuhtränke auf dem Renggpass gebrauch machen.

Start

Aeschiried, Schulhaus (1.013 m)
Koordinaten:
SwissGrid
2'621'845E 1'166'015N
DD
46.645022, 7.723965
GMS
46°38'42.1"N 7°43'26.3"E
UTM
32T 402348 5166508
w3w 
///drogist.rechnet.freudig
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Ziel

Reichenbach

Wegbeschreibung

Der gesamte Weg ist im Allgemeinen sehr gut beschildert und markiert. Nur an wenigen Wegpunkten kann es zu Verwirrung kommen:

Von Undere Suld aus führt der Weg bergauf in Richtung Renggpass. Kurz nachdem man in den Wald kommt gibt es eine Weggabelung, bei der ein Weg nach links und danach im Zickzack weiter bergauf führt. Der andere Weg, in der Karte nicht eingezeichnet, führt nach rechts und stets über Stufen nach unten, bis man wieder aus dem Wald und auf den Aufstiegsweg gelangt, auf dem man vor einer viertel Stunde gegangen ist. Obwohl die Weiss-Rot-Weisse Wanderwegmarkierung eindeutig einen Pfeil nach rechts aufweist ist der linke aufsteigende Weg hier der Richtige. Auch der sichtbare Felssturz auf der linken Seite behindert diesen Wanderweg nicht.

Die zweite verwirrliche liegt einige Minuten hinter dem Renggpass. Wer von dort aus dem in nördlicher Richtung verlaufendem Wanderweg zur Wätterlatte folgt erreicht bald den Nordostgrat der Wätterlatte. Hier ist ein Wegweiser, der in drei Richtungen zeigt: "Rengg, Suld, Kinetal" in die Richtung von wo man kam, "Fulematti, Faltschen, Reichenbach" in entgegengesetzter Richtung und "Wätterlatte" den Grat hinauf. Den Grat hinauf führt ein Pfad, der immer schmaler wird und sich schliesslich verliert, hier ist das Weiterkommen nicht möglich. Anstattdessen folgt man dem Wegweiser in Richtung Fulematti für wenige Meter, wo er sich trennt. Hier nimmt man den linken Weg und gelangt so in Richtung Wätterlatte. Ob es hier bei guten Verhältnissen zu Orientierungsschwierigkeiten kommen kann weiss ich nicht. Als ich dort war hatte es inmitten der Wolken aber nichtmals 10 Meter Sicht...

Beim Absteigenden Weg in Richtung Reichenbach muss, falls Reichenbach nicht angeschrieben ist, dem Wegweiser nach Scharnachtal gefolgt werden. Wenn kein Wegweiser vorhanden ist oder weder Reichenbach noch Scharnachtal angeschrieben ist geht man einfach immer geradeaus der Nase nach.

Hinweis


alle Hinweise zu Schutzgebieten

Öffentliche Verkehrsmittel

mit Bahn und Bus erreichbar

Mit dem Zug nach Spiez und von dort aus mit dem Bus Nr. 62 innerhalb von 20 Minuten bis zur Endstation, Aeschiried Schulhaus.

Von Reichenbach direkt mit dem Regionalzug nach Spiez (11 Minuten) und von dort aus mit beliebigen Zügen.

Koordinaten

SwissGrid
2'621'845E 1'166'015N
DD
46.645022, 7.723965
GMS
46°38'42.1"N 7°43'26.3"E
UTM
32T 402348 5166508
w3w 
///drogist.rechnet.freudig
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Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Buchempfehlungen des Autors

Ihle, Jochen: Alpinwanderungen Berner Oberland, Werd-Verlag, ISBN: 3-85932-486-1

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Ausrüstung

Stabile Wanderschuhe mit gutem Profil sind hier unbedingt notwendig. Für den Alpinpfad zum Dreispitz würde ich auch Wanderstöcke empfehlen.

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Bewertung
Schwierigkeit
schwer
Strecke
33,5 km
Dauer
16:41 h
Aufstieg
2.960 hm
Abstieg
3.270 hm
Höchster Punkt
2.520 hm
Tiefster Punkt
706 hm
mit Bahn und Bus erreichbar aussichtsreich faunistische Highlights Von A nach B Gipfel-Tour

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Dauer : h
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