Logo DAV
Logo OEAV
Logo AVS
30 Tage Pro gratis testen Community
Sprache auswählen
Start Touren Geologie erleben unter dem Mädelejoch: Grenzen & Grenzgänger
Tour hierher planen Tour kopieren
Bergtour empfohlene Tour

Geologie erleben unter dem Mädelejoch: Grenzen & Grenzgänger

Bergtour · Allgäuer Hochalpen
Verantwortlich für diesen Inhalt
AV-alpenvereinaktiv.com Verifizierter Partner  Explorers Choice 
  • Kratzer (2.427 m) aus Hauptdolomit der Lechtal-Decke, darunter und davor Allgäu-Formation der Allgäu-Decke
    Kratzer (2.427 m) aus Hauptdolomit der Lechtal-Decke, darunter und davor Allgäu-Formation der Allgäu-Decke
    Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt, CC BY
m 1950 1900 1850 1800 800 600 400 200 m
Die Wanderung auf dem Gelben Weg der Via Alpina von der bayerisch-tirolischen Grenze zur Kemptner Hütte lässt die Hand auf eine geologische Deckengrenze legen und führt zu einem "Schatz" der geheimnisvollen Venediger.
leicht
Strecke 1 km
0:22 h
5 hm
127 hm
1.971 hm
1.844 hm

Von der Kemptner Hütte aus ist die Wanderung ein leichter und nicht allzu langer Ausflug zum Mädelejoch. Für den Wanderer auf der Via Alpina, der vom Lechtal hochkommt, ist sie der entspannte Abstieg vom höchsten Etappenpunkt zum Hüttenziel. Da könnte doch etwas Zeit für die Geologie entlang des Wegs übrig sein.

Hier zwischen Mädelejoch und Kemptner Hütte ist die Grenze zwischen zwei geologischen Schichtstapeln, die sich als "Decken" übereinandergeschoben haben, zum einen weithin sichtbar, dann aber auch direkt anfassbar. Letzteres ist recht selten so mühelos machbar und dann auch noch so gut erkennbar wie hier.  

In einer Schuttrinne kurz vor der Hütte lassen sich dann "Braunsteine" finden. Die "Venediger" - Erzsucher aus dem fernen Venedig - holten sie hier aus den Allgäuer Bergen, um in der Heimat damit Glas zu entfärben. Daneben enthält das Gestein noch winzige, diamantähnliche Quarzkristalle, die ihren Zauber aber erst unter der Lupe entfalten. 

Profilbild von Bayerisches Landesamt für Umwelt
Autor
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Aktualisierung: 16.06.2021
Schwierigkeit
leicht
Technik
Kondition
Erlebnis
Landschaft
Gefahrenpotenzial
Höchster Punkt
1.971 m
Tiefster Punkt
1.844 m
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Wegearten

Naturweg 2,25%Pfad 97,75%
Naturweg
0 km
Pfad
0,9 km
Höhenprofil anzeigen

Einkehrmöglichkeiten

Kemptner Hütte

Start

Mädelejoch (1.967 m)
Koordinaten:
DD
47.307208, 10.333615
GMS
47°18'25.9"N 10°20'01.0"E
UTM
32T 600805 5240166
w3w 
///bekannter.balken.parkplätze
Auf Karte anzeigen

Ziel

Kemptner Hütte (1846 m)

Wegbeschreibung

Für diejenigen, die von der Kemptner Hütte einen Ausflug zum Mädelejoch gemacht haben, wird jetzt der Rückweg "geologisch". Wanderer vom Lechtal hoch erhalten  auf dem Schlussstück ihrer Via Alpina-Etappe zur Hütte Einblicke in die Geologie.   

Die Grenze zwischen Tirol und Bayern verläuft über das  Mädelejoch (1.968 m). Die Zahl 1844 auf dem Grenzstein (2/12) ist eine Jahreszahl und bezieht sich auf den "Grenzberichtigungs-Vertrag zwischen Bayern und Oesterreich über die Landesgrenze zwischen dem Königreich Bayern einerseits und der gefürsteten Grafschaft Tirol und Vorarlberg andererseits" aus dem Jahre 1844.

Das Gestein an der Passhöhe (3/12) ist der graue Dolomitstein des mächtigen Hauptdolomits (Trias, ca. 215 Mio. Jahre). Er baut auch die Gipfel beiderseits der Passhöhe auf. 

________________________________________________________________________________

Dolomitstein

Dolomit ist dem Kalk ähnlich, enthält neben Kalzium aber noch Magnesium. Das liegt daran, dass dort, wo der Dolomit entstand - in flachen Lagunen auf dem Kontinentschelf - das tropisch warme Wasser soweit eingedampft war, dass das viele Magnesium nicht mehr in Lösung bleiben konnte und ins Sediment darunter wanderte.

________________________________________________________________________________    

Nach etwa 200 m Wegstrecke steht unterhalb des Mädelejochs ein Wegweiser mit dem Via Alpina-Logo (4/12). Hier zweigt der anspruchsvolle "Heilbronner Höhenweg" in Richtung Mädelegabel ab. Wir befinden uns noch im Hauptdolomit.

GeoPunkt Deckengrenze

Aber wenige 10er Meter weiter heißt es aufpassen, denn  wir überqueren nicht nur eine Schichtgrenze, sondern sogar eine Deckengrenze. Das zeigt sich daran, dass der Weg aus felsigem Gelände über eine Kante in sanfteres Wiesengelände führt (5/12). Ursache ist ein Gesteinswechsel vom härteren, dickgebankten Dolomitstein des Hauptdolomits zu einer weniger harten und dünnbankigen Wechselfolge aus Kalkstein und Tonmergelstein (6/12). Mergelsteine sind kalkreiche Tonsteine, Tonmergelsteine enthalten etwas weniger Kalk. Die Tonmergelsteine verwittern zu einem tonigen Boden, der Feuchtigkeit gut speichern kann und dessen Wiesen gutes Weidegelände bilden. Für Wanderer aber heißt es bei Nässe hier mehr achtzugeben, denn der Weg wird rutschig.

Aber zurück zur Deckengrenze. Die Grenze verläuft zwischen dem Dolomitstein des Hauptdolomits der Lechtal-Decke und der Kalkstein-Tonmergelstein-Wechselfolge der Allgäu-Formation der Allgäu-Decke. Die Gesteine der Allgäu-Formation (Jura) haben ein Alter von 200 bis 165 Mio. Jahren und sie liegen unter dem rund 215 Mio. Jahre  alten Hauptdolomit (Trias). Hier ist entlang einer geologischen Störungsfläche älteres Gestein auf jüngeres Gestein überschoben: die Lechtal-Decke mit dem Hauptdolomit an der Basis auf die Allgäu-Decke mit der Allgäu-Formation am Top.

______________________________________________________________________________

Decken

Wenn sich relativ dünne Gesteinspakete kilometerweit übereinandergeschoben haben, spricht der Geologe von Decken. Benannt werden die Decken nach der Region, wo sie die größte Verbreitung haben: Allgäu-Decke im Allgäu, Lechtal-Decke im Lechtal. Die Lechtal-Decke liegt über der Allgäu-Decke und ist hier die höchste eines ganzen Stapels von Decken. Als höchste Decke wurde sie auch bereits kräftig von der Verwitterung abgetragen und hat daher im Allgäu keine weite Verbreitung mehr. An der Deckengrenze (Überschiebungsbahn) liegt das älteste Gestein der oberen Decke über dem jüngsten Gestein der unteren Decke.  Innerhalb der Decken ist also alles so, wie es sein sollte: die ältesten Ablagerungen unten und die jüngsten oben.

_____________________________________________________________________________

Wenige Meter westlich abseits des Wegs kann die Hand auf die Deckengrenze gelegt werden (7/12). So leicht ereichbar ist das vielleicht sonst nirgends in den Allgäuer Alpen möglich. Der kompakte Hauptdolomit liegt über durch Auflast und Bewegung zerscherten Gesteinen der Allgäu-Formation.

Im weiteren Weg zur Kemptner Hütte treten im mittleren Teil der Allgäu-Formation die Kalksteine zurück und die Schichtfolge besteht überwiegend aus dunkelgrauen Mergelsteinen. Das leicht verwitternde Gestein bildet keine Felsen, sondern kann nur am Rande des eingetretenen Wanderwegs angetroffen werden (8/12).

GeoPunkt Manganschiefer 

In die Mergelsteine der Allgäu-Formation können dunkelbraune bis schwarze, manganführende Tonmergelsteine, die "Manganschiefer", eingelagert sein. Sie enthalten oft auch Bitumen. Das erkennt man am schwefligen Geruch, wenn man zwei der schwarzen Steine gegeneinanderschlägt. Direkt am Weg stehen diese Gesteine nicht an, aber in einer zeitweise wasserführenden Schuttrinne etwa 200 m vor der Kemptner Hütte werden sie praktischerweise bei Starkregen oben vom Berg herantransportiert und hier abgelagert (9/12). Erkenntlich ist das Gestein auch an einem metallischen Glanz auf einzelnen Flächen. Es kann sich lohnen, nach diesem Manganschiefer zu suchen, denn er kann einzelne funkelnde Quarzkriställchen mit zwei Enden enthalten. Diese Kriställchen sind nicht auf einer Kluftwand aufgewachsen, sondern gleichsam "schwimmend" entstanden. Nicht nur funkeln sie wie Diamanten, sondern leider sind sie auch so klein.  

Noch einmal zurück zum Mangan und zurück in der Geschichte. Nach alten Sagen waren die „Venediger“ viel in den Allgäuer Bergen unterwegs und haben braune Steine mitgenommen. Diese braunen Steine waren der Manganschiefer. Denn Manganoxid, auch Braunstein genannt, kann Glas entfärben. Und das wurde im 15. Jahrhundert in Venedig entdeckt und reisende Erzsucher beschafften die wertvolle Zutat auch hier in den Alpen. 

GeoAussichtspunkt Kemptner Hütte

Von der Kemptner Hütte aus zeigt der Rückblick auf das Panorama des Allgäuer Hauptkamms nach Südwesten den Kratzer (2.427 m), aufgebaut aus dem grauen, massig wirkenden Hauptdolomit der Lechtal-Decke (10/12). Die Überschiebungsbahn zur darunter liegenden dunkelgrauen Allgäu-Formation ist ganz deutlich als Grenze zwischen Fels oben und grasbewachsenen Hängen unten zu erkennen.  Als Besonderheit schiebt sich - eingefaltet oder eingeschuppt - unten in der Wand des Kratzers ein Keil von Hauptdolomit in die Allgäu-Formation hinein.

Auch der Blick nach Osten zum Muttlerkopf und zu den Krottenspitzen (11/12) lässt die Deckengrenze zwischen Fels und Wiesengelände genauso gut erkennen. 

An der Kemptner Hütte (1.846 m) (12/12) ist das Tagesziel erreicht.

Hinweis


alle Hinweise zu Schutzgebieten

Koordinaten

DD
47.307208, 10.333615
GMS
47°18'25.9"N 10°20'01.0"E
UTM
32T 600805 5240166
w3w 
///bekannter.balken.parkplätze
Auf Karte anzeigen
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

Buchempfehlungen des Autors

JACOBSHAGEN et al. (2014): Geologische Karte von Bayern 1 : 25 000. Erläuterungen zum Blatt 8628 Hochvogel. – 87 S., Augsburg (Bayer. Landesamt f. Umwelt), kostenlos im Download hier erhältlich .

RICHTER, D. (1984): Allgäuer Alpen. – Sammlung Geologischer Führer 77, 253 S., Berlin – Stuttgart (Bornträger).

SCHOLZ, H. (2016): Bau und Werden der Allgäuer Landschaft. – 354 S., Stuttgart (Schweizerbart).

ZACHER, W. (1990): Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50 000, Blatt 113 Mittelberg. – Wien (Geologische Bundesanstalt).

Kartenempfehlungen des Autors

Bayer. Landesamt für Umwelt (Hrsg., 2013): Geologische Karte von Bayern 1 : 25 000 Blatt 8628 Hochvogel, kostenlos im Download hier erhältlich

Buchtipps für die Region

mehr zeigen

Kartentipps für die Region

mehr zeigen

Fragen & Antworten

Stelle die erste Frage

Hier kannst du gezielt Fragen an den Autor stellen.


Bewertungen

Verfasse die erste Bewertung

Gib die erste Bewertung ab und hilf damit anderen.


Fotos von anderen


Schwierigkeit
leicht
Strecke
1 km
Dauer
0:22 h
Aufstieg
5 hm
Abstieg
127 hm
Höchster Punkt
1.971 hm
Tiefster Punkt
1.844 hm
Etappentour aussichtsreich Einkehrmöglichkeit familienfreundlich geologische Highlights

Statistik

  • Meine Karte
  • Inhalte
  • Bilder einblenden Bilder ausblenden
Funktionen
2D 3D
Karten und Wege
  • 6 Wegpunkte
  • 6 Wegpunkte
Strecke  km
Dauer : h
Aufstieg  Hm
Abstieg  Hm
Höchster Punkt  Hm
Tiefster Punkt  Hm
Verschiebe die Pfeile, um den Ausschnitt zu ändern.