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Standplatzbau beim Alpinklettern

Der Standplatz ist beim Alpinklettern wie eine „Insel der Sicherheit“ sowohl für die Selbst- als auch die Partnersicherung. Ist der Standplatz falsch, kann dies zum Absturz der Seilschaft führen. Daher ist es sehr wichtig, den Standplatzbau zunächst am Boden so lange zu üben, bis man ihn flüssig und sicher kann. 

Was gibt es zu beachten?

  • Man sollte nie zu spät Stand machen und das Seil nicht bis zum letzten Meter ausklettern. 
  • Man sollte sich vorher Gedanken machen, bevor man mit dem Standplatzbau startet. Es könnte sein, dass es an dieser Stelle doch nicht günstig ist. 
  • Man sollte in der Regel immer an zwei voneinander unabhängigen Fixpunkten Stand machen. An einem einzigen Fixpunkt sollte man nur in Ausnahmefällen Stand machen.
  • Um den Überblick zu behalten, sollte man stets Ordnung am Stand halten.
  • Durch viel Übung wird man immer schneller und routinierter, was ein weiterer Sicherheitsfaktor am Berg ist.

Reihenverankerung vs. Ausgleichsverankerung

Beim Alpinklettern gibt es Routen, die sehr gut und weniger gut abgesichert sind. Sehr gut abgesicherte Routen (werden auch als Plaisirrouten bezeichnet) verfügen über viele solide Zwischensicherungen (Bohrhaken) und jeweils 2 solide Fixpunke am Standplatz. Aus den zwei Fixpunkten am Standplatz baut man dann die Reihenverankerung/Reihenschaltung. Man kann sich, bis auf das Anbringen der Expressschlingen an den Zwischensicherungen, völlig auf die Kletterschwierigkeiten konzentrieren und muss nicht noch selbst Zwischensicherungen oder gar Fixpunkte am Standplatz anbringen.

In weniger gut abgesicherten, alpineren Routen gibt es häufig nur fragliche Zwischensicherungen und Fixpunkte am Standplatz. Hier muss man neben den Kletterschwierigkeiten auch die Fähigkeit besitzen, selbst mobile Sicherungsmittel wie Klemmkeile, Friends und Bandschlingen anzubringen. Es ist wichtig, das richtige Material dabei zu haben und richtig mit dem Material umzugehen. Am Standplatz baut man dann eine sogenannte Ausgleichsverankung/Kräfteverteilung mit den fraglichen Fixpunkten. Man versucht auf alle Fixpunkte die gleichen Kräfte zu verteilen, damit alle Fixpunkte den Sturzzug gleich aufnehmen und bei Ausbruch eines Fixpunktes kein Ruck entsteht. Bei der Reihenverankerung wirkt dagegen die gesamte Kraft auf den unteren Bohrhaken, der zweite Bohrhaken dient nur als Redundanz, falls der untere Bohrhaken ausbrechen würde.

Unabhängig von den Standplatzarten hat jeder Standplatz einen Zentralpunkt, indem sich die Selbst- und die Partnersicherung befindet. 

Zentralpunktarten:

  • Zentralpunkt mittels Bandschlinge und Weichem Auge
  • Zentralpunkt mittels HMS-Karabiner
  • Zentralpunkt mittels fixiertem Ausgleich 

Reihenverankerung/Reihenschaltung

Bei der Reihenverankerung, diese wird auch als Reihenschaltung bezeichnet, baut man den Standplatz an zwei soliden Fixpunkten. Sie ist der am meisten verwendete Standplatztyp. Bei Sturzbelastung übernimmt ein einzelner Fixpunkt die Sturzenergie. Der andere Fixpunkt dient nur als Redundanz und ist mit der Standplatzschlinge verbunden, falls der untere Bohrhaken ausbrechen würde. Es ist auch möglich, an einem normkonformen Bohrhaken und einem weiteren, nicht normkonformen Fixpunkt die Reihenverankerung zu bauen.

Folgende Kombinationen sind möglich:

  • zwei Bohrhaken (am besten)
  • ein Bohr- und ein Normalhaken
  • ein Bohrhaken und ein mobiles Sicherungsmittel (Klemmkeil, Friend, Bandschlinge/Reepschnur)

MERKE: Der Zentralpunkt ist immer am unteren, soliden Fixpunkt. Es gibt jedoch Ausnahmen, wenn zum Beispiel bei zwei Bohrhaken der untere Bohrhaken keinen sicheren Eindruck mehr macht (z. B. Öse locker). Dann kann man auch den oberen, sicheren Bohrhaken als Hauptbelastungs-Fixpunkt verwenden. Wenn beide Bohrhaken auf gleicher Höhe sind, verwendet man denjenigen als Zentralpunkt, der in Kletterrichtung zeigt.
Bei zwei ungleich guten Fixpunkten (ein Bohrhaken und ein mobiler Fixpunkt z. B. Normalhaken, Klemmkeil oder Friend), wird der Zentralpunkt auch immer am unteren Fixpunkt platziert, unabhängig der Qualität. Wenn man sich bzgl. der Qualität des unteren, soliden Fixpunktes unsicher ist, sollte man eine Kräfteverteilung aufbauen. 

 

Reihenverankerung/Reihenschaltung mit Bandschlinge:

  1. Man nimmt seine vorbereitete Standplatzschlinge (120 cm) mit Weichem Auge und hängt den Schraubkarabiner am unteren Fixpunkt ein.
  2. Man hängt einen weiteren Schraubkarabiner in das Weiche Auge ein.
  3. Man sichert sich mittels Mastwurf selbst mit Schraubkarabiner im Weichen Auge.
  4. Daraufhin nimmt man das Bandschlingenende und hängt es mit einem weiteren Schraub- oder Schnappkarabiner im oberen Fixpunkt (Bohrhaken oder ein mobiller Fixpunkt) ein, um beide Fixpunkte miteinander zu verbinden.
  5. Die richtige Länge stellt man mit einem Sackstich ein. Alternativ kann man auch die Länge mit einem Mastwurf im oberen Karabiner einstellen. Hierfür muss aber das Ende der Bandschlinge im Karabiner rückgesichert werden. Bei einem Sturz muss die Kraft auf den unteren Fixpunkt wirken, d. h. die Bandschlinge darf nicht zu straff, aber auch nicht zu locker nach oben abgebunden werden.
  6. Danach wird das Seil eingezogen.
  7. Anschließend sichert man den nachsteigenden Seilpartner entweder mittels Platte oder der HMS (Halbmastsicherung) in einem HMS-Karabiner im Weichen Auge.

Reihenverankerung/Reihenschaltung mit Seil:

Ähnliches Prinzip wie oben, nur dass man statt der Bandschlinge das Kletterseil verwendet und so einen geringeren Materialaufwand hat. Dies macht aber nur Sinn, wenn man in Wechselführung klettert. 

  1. Man hängt in den unteren Fixpunkt einen Schraubkarabiner ein, der als Zentralpunkt dient.
  2. Man hängt einen weiteren Schraubkarabiner in den Zentralpunkt ein.
  3. Man sichert sich im Schraubkarabiner mittels Mastwurf selbst.
  4. Man hängt einen weiteren Schraubkarabiner am oberen Fixpunkt ein.
  5. Man hängt einen weiteren Mastwurf ein und bindet das Seil so ab, dass bei einem Sturz die Kraft auf den unteren Fixpunkt wirkt.
  6. Man hängt einen HMS-Karabiner am Zentralpunkt am unteren Fixpunkt ein und sichert den Seilpartner mittels Platte oder HMS. 

Ausgleichsverankerung/Kräfteverteilung

Bei der Ausgleichsverankerung, diese wird auch als Kräfteverteilung bezeichnet, baut man den Standplatz an mobilen oder fraglichen Fixpunkten. Bei einem Sturz wird so die gleiche Belastung auf alle Fixpunkte verteilt. Sollte ein Fixpunkt ausbrechen, so kann kein Ruck entstehen, da die anderen die Belastung auffangen.

Abgeknoteter Ausgleich mittels Bandschlinge:

Bei zwei (auch bei drei) mobilen oder fraglichen Fixpunkten (Normalhaken) kann man den Standplatz mit einer Bandschlinge bauen. Der Zentralpunkt ist dabei beweglich und bietet eine optimale Kraftverteilung auf die Fixpunkte. 

  1. Man bringt an beiden Fixpunkten einen Schraubkarabiner an.
  2. Man hängt die Bandschlinge zunächst in den oberen Karabiner ein.
  3. Am unteren Ende der Bandschlinge macht man nach etwa 20 cm einen Sackstich in beide Stränge. Dieser dient als Stopp-Knoten, falls der obere Fixpunkt versagt.
  4. Man hängt das untere Ende dann in den unteren Karabiner ein. 
  5. Man zieht die Schlaufe zwischen dem unteren Karabiner und dem Sackstich nach unten, sodass der Sackstich auf Höhe des unteren Karabiners ist.
  6. Dann schnürt man die Länge oben an einem einzelnen Strang mit einem Sackstich ab, sodass der untere Sackstich auf Höhe des unteren Karabiners bleibt.
  7. Bei der unteren Schlaufe wird nun ein Strang der Bandschlinge eingedreht und ein HMS-Karabiner durch die entstandene Öse und den weiteren Strang der Bandschlinge gehängt. Durch das Eindrehen kann beim Ausbrechen eines Fixpunktes die Bandschlinge nicht durchrutschen. 
  8. Man sichert sich im unteren Fixpunkt mit einem Schraubkarabiner mittels Mastwurf.
  9. Im Zentralpunkt sichert man mittels Halbsmastwurf im HMS-Karabiner den Nachsteiger zu sich hinauf. 

Es gibt noch eine weitere Variante beim abgeknoteten Ausgleich. Anstatt den oberen Sackstich an einem Strang der Bandschlinge zu knoten, macht man einen Mastwurf im oberen Karabiner. Dadurch werden die Kräfte optimal auf die zwei Fixpunkte verteilt. 


Fixierter Ausgleich mittels Bandschlinge:

Bei mindestens zwei mobilen oder fraglichen Fixpunkten befestigt man mit einer Bandschlinge alle Fixpunkte durch eine Sackstichschlinge. Bei zwei Fixpunkten reicht eine 120 cm Bandschlinge. Bei mehr als zwei Fixpunkten empfiehlt es sich, eine 240 cm Bandschlinge zu verwenden. 

  1. Man hängt in alle Fixpunkte einen Schraubkarabiner.
  2. Man hängt die Bandschlinge in alle Karabiner ein.
  3. Man zieht die Bandschlinge lotrecht nach unten, um eine ideale Kraftverteilung zu erreichen.
  4. Man bildet als Zentralpunkt eine lockere, nicht festgezogene Sackstichschlinge oder man legt auf den Karabiner einen Ankerstich, der dann als Zentralpunkt dient.
  5. Man hängt zwei Karabiner in die Schlinge oder den Karabiner. Man sichert sich mittels Mastwurf selbst. Im HMS-Karabiner sichert man den Nachsteiger mittels Platte oder HMS zu sich hinauf.

ACHTUNG: Wenn sich die Belastungsrichtung ein wenig ändert, kommt die ganze Belastung auf einen einzigen Fixpunkt.

 

Fixierter Ausgleich mittels Reepschnur:

Um Karabiner einzusparen und mindestens 3 mobile oder fragliche Fixpunkte zu verbinden, empfiehlt sich eine offene Dyneema/Kevlar-Reepschnur (∅ 6 mm, 5 m). Außerdem liegen die Karabiner dadurch nicht auf Biegung am Fels auf. 

  1. Man fädelt die offene Reepschnur durch alle Fixpunkte.
  2. Man verbindet die beiden Enden mit einem Sackstich.
  3. Man zieht alle Schlingen-Abschnitte zwischen den Fixpunkten nach unten.
  4. Man bildet den Zentralpunkt ebenfalls mit einer lockeren, nicht festgezogenen Sackstichschlinge (alternativ: Ankerstich).
  5. Man hängt zwei Karabiner in die Schlinge oder den Karabiner. Man sichert sich in einem mittels Mastwurf selbst. Im HMS-Karabiner sichert man den Nachsteiger mittels Platte oder HMS zu sich hinauf.

 
Südtirolerstand:

Auch hier werden, um Material einzusparen keine Karabiner in den Fixpunkten verwendet. Wie der Name schon sagt, kommt diese Standplatzart aus Südtirol. Anders wie beim fixierten Ausgleich, wird hier kein Knoten als Zentralpunkt erstellt, der ggf. zeitaufwendig gelöst werden muss. Es wird ein Zentralpunktkarabiner mit einem Ankerstich in die Bandschlinge geknüpft. 

  1. Zunächst befestigt man mittels Ankerstich die Bandschlinge (120 cm bei zwei Fixpunkten) im oberen Fixpunkt.
  2. Dann fädelt man die Bandschlinge durch den zweiten Fixpunkt.
  3. Man nimmt das freie Ende der Bandschlinge und den Teil der Bandschlinge zwischen den zwei Fixpunkten und zieht beide nach unten. Dann hängt man die zwei Bandschlingenteile mittels Ankerstich im Zentralkarabiner ein und justiert noch mal nach.
  4. Man hängt zwei Karabiner in den Zentralkarabiner. Im einen sichert man sich mittels Mastwurf. Im anderen sichert man den Nachsteiger mittels Platte oder HMS zu sich hinauf.  

  

MERKE: Wenn der nachsteigende Seilpartner am Stand ankommt und dann die nächste Seillänge vorsteigt, sollte der Stand bei einem Sturz auch nach oben halten. Deshalb sollte man den Standplatz mit einem weiteren Fixpunkt nach unten oder seitlich abspannen oder sich mit seinem Körpergewicht in den Stand setzen und ihn dadurch abspannen. 


Standplatzbau an einem Fixpunkt


Seilkommandos

  1. Wenn man die Standplatzschlinge angebracht bzw. den Stand gebaut hat und sich mittels Mastwurf selbst gesichert hat, ruft man „Stand!“.
  2. Daraufhin ruft der Seilpartner „Seil frei!“, was bedeutet, dass er die Partnersicherung gelöst hat. Man kann das Seil zu sich hochziehen.
  3. Sobald das Seil komplett eingezogen ist, ruft der Seilpartner „Seil aus!“
  4. Daraufhin hängt man die Partnersicherung im Zentralpunkt ein und sichert den nun nachsteigenden Seilpartner mittels Platte oder HMS zu sich hinauf. Damit der Seilpartner weiß, dass er gesichert ist, ruft man ihm das Kommando „Nachkommen!“ zu.
  5. Daraufhin baut der Seilpartner den unteren Stand ab, ruft „Komme!“ und steigt nach.

Wenn mehrere Seilschaften in der Wand unterwegs sind, bietet es sich an, den Namen des Seilpartners zusammen mit dem Seilkommando zu rufen, um Missverständnisse auszuschließen.


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