Logo DAV
Logo OEAV
Logo AVS
1 Monat gratis Pro testen Community
Sprache auswählen

Schwierigkeitsskalen beim Klettern

Je nach Land und Region werden Kletterrouten nach verschiedenen Schwierigkeitsskalen bewertet. Weltweit gibt es eine Vielzahl verschiedener Bewertungssysteme. Im Alpenraum wird vor allem die UIAA- und die französische Skala verwendet. In vielen anderen Ländern der Welt kommt die amerikanische YDS (Yosemite Decimal System) zum Gebrauch.

Leider lassen sich die diversen Bewertungssysteme oft nicht einfach ineinander umrechnen. Das hat damit zu tun, dass Bewertungssysteme unterschiedliche Bandbreiten pro Grad aufweisen können oder nicht über den ganzen Bereich linear sind. In folgender Tabelle unseres Partners theCrag werden alle weltweiten Bewertungsskalen dargestellt. Bisher ist es auf unserer Plattform möglich, Alpinklettertouren entweder mit der UIAA- oder der französischen Skala zu bewerten. Für unsere internationale Community sollen aber nach und nach weitere Bewertungsskalen integriert werden. 

Auf theCrag gibt es außerdem einen Umrechner, mit welchen man sich fremde Schwierigkeitsgrade einer anderen Bewertungsskala einfach und schnell in den Schwierigkeitsgrad der gewünschten Skala umrechnen lassen kann.
Eine tolle Übersicht über die weltweite Verteilung der Schwierigkeitsskalen nach Kontinent bekommt man auf theCrag ganz unten auf folgender Seite. 

Im Folgenden möchten wir etwas näher auf die Bewertungsskalen eingehen, die wichtig für die Disziplinen Sport- und Alpinklettern sind. 

  • UIAA Skala
  • Französische Skala
  • Sächsische Schweiz (Elbsandstein) Skala
  • Britische Skala
  • YDS Skala
  • Ewbanks Skala
  • Ernsthaftigkeitsbewertungs-Skala (nicht Teil der Tabelle, aber für das Alpinklettern im Alpenraum wichtig)
  • Technische Skala (zweite technische Skala bei den anderen Bewertungsskalen)

UIAA Skala

Diese Bewertungsskala wird vor allem im Alpenraum und in Teilen Europas verwendet. Auch in Kletterhallen ist sie sehr beliebt. Die einzelnen Schwierigkeitsgrade werden mit römischen oder arabischen Zahlen dargestellt. Zusätzlich werden sie durch ein Plus (+) aufgewertet und durch ein Minus (-) abgewertet. So erhält jede Ziffer insgesamt drei Schwierigkeitsgrade. Eine VI+ (6+) ist somit schwerer als eine VI- (6-). Die VI ohne Plus oder Minus liegt dazwischen. Es gibt auch Zwischenschritte wie z.B. VI+/VII- (6+/7-). Das ist dann eine schwere VI+ (6+) bis leichte VII- (7-). Die Skala beginnt mit I und hört mittlerweile bei XII (12) auf. Die Grade I-II (1-2) sind meist noch mehr Gehgelände als richtige Kletterei und benötigen meist nicht die Zuhilfenahme der Hände.
Lisi Steurer in der Route „Ohne Rauch stirbst Du auch“ (8a) Große Zinne, Dolomiten, Italien
Foto: Lisi Steurer, CC BY-SA, Wikimedia Commons

Französische Skala

Die französische Skala wird vor allem im französischen Raum und im internationalen Sportklettern verwendet. Sie wird mit arabischen Zahlen dargestellt. Sie startet gleich wie die UIAA Skala zunächst mit den Schwierigkeitsgraden von 1 bis 4. Dann ab 5 bekommt jede Zahl noch mehr Zwischenschritte durch die Hinzunahme der Buchstaben a, b und c. Außerdem kann jede Zahl-Buchstaben-Kombination noch durch ein Plus (+) aufgewertet werden. Eine Abwertung durch ein Minus (-) ist bei der französischen Skala nicht möglich. So ergeben sich deutlich mehr Zwischenschritte als bei der UIAA Skala. Am besten kann man dies an einem Beispiel erklären: Eine 6a Route ist leichter als eine 6b Route. Eine 6a+ ist ein wenig schwerer als eine glatte 6a. Der Schwierigkeitsgrad 6 enthält somit insgesamt sechs Schwierigkeitsgrade (6a, 6a+, 6b, 6b+, 6c, 6c+). Es gibt somit deutlich mehr Zwischenschritte als bei der UIAA Skala. Der höchste französische Schwierigkeitsgrad liegt derzeit bei 9c (UIAA XII).

Sächsische Schweiz (Elbsandstein) Skala

Die Skala der Sächsischen Schweiz wird nur in Ost-Deutschland und Tschechien verwendet, da sich diese Skala im Elbsandsteingebirge entwickelt hat. Dort gibt es eine strenge Kletterethik, die moderne Sicherungsmittel aus Metall wie Bohrhaken, Klemmkeile, Friends, etc. verbietet. Um den weichen Sandstein zu schützen, werden Knotenschlingen und Seile mit einzelnen Sicherungsringen verwendet. Auch Magnesium für die Hände ist verboten. Die Skala wird ebenfalls in römischen Zahlen angegeben und orientiert sich stark an die UIAA Skala. Gestartet wird mit den Graden I bis VI. Ab dem VII. Grad wird wie bei der französischen Skala mit einer Zahl-Buchstaben-Kombination (VIIa, VIIb, VIIc, VIIIa, etc.) gearbeitet um Zwischenschritte anzugeben. Eine Auf- oder Abwertung mit einem Plus oder Minus gibt es nicht. Der höchste sächsische Schwierigkeitsgrad liegt derzeit bei XIIc.

Britische Skala

Die britische Skala wird in England, Irland und in Kenia verwendet. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von O.G. Jones entwickelt und seitdem immer wieder weiterentwickelt und ergänzt. Sie besteht aus zwei Kategorien, der Technischen Schwierigkeit (Technical Grade) und dem Gesamtanspruch (Adjectival Grade). Beide beziehen sich auf das traditionelle Klettern (Trad climbing). Hier wird ausschließlich mit mobilen Zwischensicherungen geklettert. Sportkletterrouten bewertet man mit der französischen Skala.

TECHNICAL GRADE:

Die technische Skala bezieht sich rein auf die technischen Anforderungen einer Route. Eine Route wird nach dem schwersten Zug, der sogenannten Schlüsselstelle, bewertet. Ursprünglich stammt die Skala von der Fontainebleau Skala (Bouldern) ab. Sie wird in arabischen Zahlen dargestellt, die ebenfalls duch die Buchstaben a, b, c als Zwischenschritte erweitert werden.

ADJECTIVAL GRADE:

Beim Adjectival Grade wird eine Route nach ihrem Gesamtanspruch bewertet. Kriterien wie die Absicherung, Ausgesetztheit, Felsbeschaffenheit und Ausdauer werden mit einberechnet. Klassisch geht man davon aus, dass der Kletterer die Route Onsight begeht. Das heißt, er hat die Route noch nie begangen, niemand anders beim Versuch beobachtet und hat keinerlei Vorinformationen erhalten. In den hohen Schwierigkeitsgraden werden die Routen ab E6 meist Rotpunkt geklettert. Vorab platzierte Zwischensicherungen sind jedoch ein No-Go. Die Skala startet mit M („moderat“), steigert sich bis HVS („very severe, hard“) und zählt dann von E1, E2, E3, E4, etc. bis E11 hoch. Bei Mehrseillängenrouten ist es üblich, der Route einen allgemeinen Adjectival Grade zu geben und die einzelnen Seillängen technisch zu bewerten. 

M: moderat

D: difficult

VD: very difficult

MS: severe, mild

S: severe

HS: severe, hard

MVS: very severe, mild

VS: very severe

HVS: very severe, hard

E1

E2

...

E11Dave Mac Leod kletterte 2006 mit „Rhapsody“ (Technical Grade: 7a, Adjectival Grade: E11) die bisher schwerste Route. Es besteht die Gefahr eines 20 m Sturzes auf ein schmales Band.

Erste E9-Begehung einer Frau

Super Sketchy E9 On UK Sea Cliff - Hazel Findlay
Video: REEL ROCK

YDS Skala

Besonders in den USA, aber auch in weiten Teilen der Welt, verwendet man die YDS Skala (YDS = Yosemite Decimal System). Die Schwierigkeitsgrade 1-4 beziehen sich dabei auf immer schwieriger werdendes Gehgelände. Ab dem Grad 5,0 geht das Kraxelgelände los. Hier beginnt somit erst die echte Kletterskala. Dann wird von 5,0 bis 5,15 hoch gezählt. Auch bei der YDS Skala werden für jeden Schwierigkeitsgrad die Zwischenschritte mit einer Zahl-Buchstaben-Kombination angegeben. Hier wird aufsteigend mit a, b, c, d unterteilt (z. B. 5,4a, 5,4b, 5,4c, 5,4d). Der höchste Schwierigkeitsgrad liegt derzeit bei 5,15d. Häufig lässt man die fünf vorne weg (15d), weil diese ja immer gleich bleibt.

Zu den einzelnen Schwierigkeitsgraden gibt es dann noch einen Zusatz, ähnlich des Adjectival Grades der britischen Skala, der Auskunft über die Sicherheit der Route geben soll. Es wird von G bis X aufsteigend eingeteilt:

G (= good): Gut, solide Sicherungspunkte

PG (= pretty good): Ziemlich gut, einige Abschnitte mit spärlichen oder ohne Sicherungspunkten

PG13 (= pretty good 13): Ausreichend Sicherungspunkte vorhanden, Stürze können jedoch tief sein, sind aber wahrscheinlich nicht von schweren Verletzungen begleitet

R (= Runout): Sicherungspunkte sind lückenhaft, größere Runouts, ein Sturz kann eine Verletzung verursachen

R/X (= Runout/extreme): Ein Sturz kann zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen.

X (= extreme): Keine Sicherungspunkte, extrem gefährlich, schwere Verletzungen oder gar der Tod können die Folge sein

Ewbanks Skala

Die australische Skala wird in AustralienNeuseeland und im Inselstaat Tonga verwendet. Sie lässt sich leicht verstehen, da man einfach in ganzen Zahlen von 1 bis 35 hochzählt. Die eigentliche Kletterskala beginnt erst ab dem Grad 11, da man erst dann von richtigem Klettern mit Händen und Füßen sprechen kann. Die schwerste Route in Australien ist eine 35, was mit einer UIAA XII oder französisch 9a gleichzusetzen ist. Sie heißt „The Red Project“ und wurde 2013 von Alex Megos (GER) Rotpunkt geklettert.

South Australia, Morialta, Thorn Buttress
Foto: Stefanos Nikologianis, CC BY, www.flickr.com

Ernsthaftigkeitsbewertungs-Skala

Im Alpenraum wird bei Alpinklettertouren häufig neben dem Schwierigkeitsgrad noch die Ernsthaftigkeitsbewertungs-Skala, die Markus Stadler für seinen Kletterführer für den Wilden Kaiser konzipiert hat, mit angegeben. Diese soll, ähnlich wie der Adjectival Grade der britischen Skala oder der Zusatz zur Sicherheit der YDS Skala, die Ernsthaftigkeit einer Route bezüglich Sicherungsniveau, Verletzungsrisiko und psychischen Anforderungen wiedergeben. Eine sehr gut abgesicherte Route im sechsten oder siebten Grad in einem leicht zugänglichen und gut abgesicherten Klettergebiet kann von unerfahrenen Alpinkletterern gut geklettert werden, während eine Route dieser Schwierigkeit in einer abgeschiedenen Nordwand mit mäßiger Absicherung gleich ganz andere Anforderungen an den Kletterer stellt. Die E-Skala wird daher zum angegebenen Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich aufgeführt. Sie wird von E1 aufsteigend bis E6 eingeteilt und nach folgenden Kriterien bewertet. Wie bei den Schwierigkeitsgraden kann man bei der E-Skala auch ein Plus (obere Grenze) oder ein Minus (untere Grenze) anhängen, um eine feinere Abstufung zu erreichen.

 

Kriterien/Abkürzungen:

S = Wie gut muss der Begeher mit (welchen) Sicherungsmitteln umgehen können?

R = Wie hoch ist das Risiko eines Unfalls oder einer Verletzung (vor allem wenn man sich überschätzt hat)?

P = Welche Anforderungen werden an die Psyche bzw. die mentalen Fähigkeiten eines Begehers gestellt?

 

E1: Eingebohrte, sportkletterähnlich abgesicherte Route mit geringen Hakenabständen
S: Sportkletterniveau, keine zusätzliche Absicherung mehr nötig
R: sehr gering, kaum objektive Gefahren oder Stürze mit ernsten Verletzungen möglich
P: sehr gering

E2: Überdurchschnittlich gut abgesicherte Route, gutes Material vorhanden, nur wenig eigene Absicherung nötig, zum Teil größere Hakenabstände
S: Grundlagen mobiler Sicherung
R: gering, verletzungsträchtige Stürze unwahrscheinlich, stellenweise aber möglich
P: gering

E3: Durchschnittlich abgesicherte Route, zusätzliche Absicherung ist nötig aber noch relativ einfach
S: durchschnittliches Können im Fixpunkteschaffen
R: gefährliche Stürze möglich, eventuell objektiv nicht ganz sicher
P: mittel

E4: Alpine, schlecht abgesicherte Route, für Absicherung muss selbst gesorgt werden, auch an schwierigen Stellen, vorhandes Material oft schlecht
S: sicherer Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln
R: ernsthaftes Verletzungsrisiko bei Stürzen und/oder objektiv gefährlich
P: mittel-hoch

E5: Schlecht abzusichernde Route, die Route ist schlecht abgesichert und kann auch stellenweise nicht oder nur schwierig abgesichert werden, lange Runouts müssen bewältigt werden
S: sicherer Umgang mit allen Sicherungsmitteln
R: auch in den schwierigen Passagen Stürze mit schweren Verletzungen möglich
P: hoch

E6: Sehr ernste Route, bei der längere Passagen auch in den schwierigen Seillängen nicht abgesichert werden können, an den kritischen Stellen werden Stürze fatale Folgen haben
S: perfekter Umgang mit allen, auch exotischeren Sicherungsmitteln
R: gefährliche Route mit sehr hohem Unfallsrisiko
P: sehr hoch

Technische Skala

Anders wie beim Freiklettern, versucht man beim Technischen Klettern eine Route mit allen Mitteln zu durchsteigen. Man benutzt Bohr- oder Normalhaken, mobile Sicherungsmittel oder Trittleitern zur Fortbewegung. In einer Route mit A0 klettert man meist noch frei, einzelne Sicherungspunkte werden aber zum Greifen oder Treten genutzt. Bei eine Route mit dem Grad A5 benutzt man dagegen nur noch künstliche Haltepunkte. Diese sind aber sehr schlecht und halten gerade einmal das Eigengewicht des Kletterers. Bei einem Ausbruch eines Haltepunktes, kommt es höchstwahrscheinlich zum Ausbruch der kompletten Sicherungskette. Der Sturz wird erst am Standplatz gestoppt. Tiefe Stürze sind die Folge, die schwere Verletzungen nach sich ziehen können.

Die Technische Skala schlüsselt sich wie folgt auf:

A0 = ein Sicherungspunkt wird zur Fortbewegung (als Tritt oder Griff) verwendet

A1= eine Trittschlinge wird eingehängt und verwendet

A2 = zwei Trittschlingen oder Trittleitern werden zur Fortbewegung verwendet

A3 = zwei Trittleitern – die Haken sind aber von schlechter Qualität

A4 = wie A3 unter schwierigeren Bedingungen (Sicherungspunkte sind schlecht anzubringen) und die Überwindung der Kletterpassage verlangt Kraft und Ausdauer

A5 = Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich oder fast ausschließlich an künstlichen Haltepunkten, deren Qualität überdies meist so schlecht ist, dass ein Sturz erst von der Standplatzsicherung gehalten wird.

Den Grad A6 gibt es zwar, dieser ist aber so gefährlich, dass wir ihn nicht mit aufführen möchten. 

Schwerste (Sport-) Kletterroute der Welt

Die bisher schwerste Kletterroute wurde 2017 von Adam Ondra durchgestiegen. Die Route „Silence“ im Klettergebiet Flatanger (Norwegen) wurde von ihm mit 9c (YDS: 5.15d, UIAA: XII) bewertet und ist damit die erste 9c überhaupt. Bis dato wurde die Route nicht wiederholt, weshalb der Grad auch noch nicht von anderen Kletterern bestätigt werden konnte. Im gleichen Jahr durchstieg Angy Eiter als erste Frau eine 9b. Die Route „La Planta de Shiva“ befindet sich im Klettergebiet Villanueva del Rosario (Andalusien).
Silence
Video: Adam Ondra

Leseempfehlungen