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Climbing in the Allgäu

Begehungsstile beim Klettern

Beim Klettern unterscheidet man grundsätzlich zwischen Technischem Klettern und Freiklettern. Das Freiklettern kann in verschiedene Begehungsstile unterteilt werden, die im Folgenden kurz erläutert werden: Onsight, Flash, Rotpunkt/Redpoint, Pinkpunkt, Clean/Trad, Toprope, Rope Solo, Free Solo und Deep Water Solo. Onsight ist wohl die Königsdisziplin im Freiklettern.

Technisches Klettern vs. Freiklettern

Als erstes macht es Sinn die beiden äußerst gegensätzlichen Arten des Kletterns zu unterscheiden. Beim Technischen Klettern benutzt man alles Nötige, um eine Wand zu durchsteigen, seien dies Bohr- oder Normalhaken, mobile Sicherungsmittel oder Trittleitern. Heutzutage wird diese Art des Kletterns nur noch wenig eingesetzt. In früheren Jahrzehnten wurden hohe Wände meist nur technisch begangen, da sie wegen fehlenden Haltepunkten nicht frei kletterbar waren oder die Bedingungen in der Wand zu schwierig waren.

Mitte des 20. Jahrhunderts war man dann soweit, dass man nur mit genügend Bohrhaken technisch so gut wie jede Wand durchsteigen konnte. Daraufhin entwickelte sich das Freiklettern, das zum Ziel hatte, eine Wand nur mithilfe seiner eigenen Hände und Füße zu durchsteigen. Das bedeutet nicht, dass man ohne Seil oder Sicherungsmittel klettert. Diese werden lediglich zur Absicherung, nicht aber zur Fortbewegung benutzt. Das bedeutet, dass man die Sicherungskette nicht belastet, sich nicht an Haken über schwierige Stellen hochzieht, man nicht ins Seil stürzt oder sich für eine Pause ins Seil setzt. Beim Freiklettern unterscheidet man verschiedene Begehungsstile, die im Folgenden erklärt werden. Wichtig zu wissen ist, dass man Freiklettern nicht mit Free Solo verwechseln und gleichsetzen darf. Free Solo ist lediglich eine extreme Spielform des Freikletterns.


Onsight

Man klettert eine Route aus eigener Kraft, ohne dabei zu stürzen und die Sicherungskette zu belasten und hat dabei nur diesen einen Versuch. Außerdem hat man keinerlei Vorinformationen und man darf die Route nicht vorher inspizieren. Man kann den Begriff in etwa mit „auf den ersten Blick“ übersetzen. Profikletterer wie Adam Ondra und Alex Megos sind Routen Onsight bis zum Schwierigkeitsgrad 9a geklettert. Man mag sich kaum vorstellen, welchen Druck man verspüren muss, wenn man weiß, dass man nur diesen einen Versuch hat.

Flash

Man klettert eine Route aus eigener Kraft, ohne dabei zu stürzen und ohne die Sicherungskette zu belasten. Im Gegensatz zu Onsight hatte man aber Vorabinformationen und konnte die Route vorher inspizieren. Das heißt man kann andere Kletterer beim Begehen der Route beobachten, sie ausfragen, die richtigen Bewegungsabfolgen studieren, gute Rastmöglichkeiten ausmachen oder sich sogar vorab über die Route abseilen, um Griffe und mögliche Grifffolgen zu studieren.

Rotpunkt

Man klettert eine Route aus eigener Kraft, ohne dabei zu stürzen und ohne die Sicherungskette zu belasten. Alle Zwischensicherungen müssen selbst angebracht werden. Die Anzahl der Versuche spielt jedoch im Gegensatz zu Onsight und Flash keine Rolle. Als Synonym zur Rotpunkt-Begehung verwendet man gerne den Begriff „Durchstieg“. Häufig spricht man auch vom sogenannten „Projektieren“. Man sieht die Route als eine Art Projekt und versucht sie so oft zu klettern bis der Durchstieg glückt. 

Pinkpunkt

Man klettert eine Route aus eigener Kraft und ohne dabei zu stürzen. Die Anzahl der Versuche spielt wie bei der Rotpunkt-Begehung keine Rolle. Der Unterschied ist jedoch, dass die Zwischensicherungen bereits angebracht sind, das heißt man muss nur noch klippen und die Expressschlinge nicht selbst anbringen. Mittlerweile wird nicht mehr streng zwischen Rot- und Pinkpunkt unterschieden. Gerade in den hohen Schwierigkeitsgraden klettert man in der Regel immer mit voreingehängten Expressschlingen.

Clean/Trad

Beim Begehungsstil Clean/Trad wird eine Route ohne fixe Sicherungspunkte durchstiegen. Felshaken sind nicht erlaubt. Das bedeutet, dass man alle Zwischensicherungen und alle Fixpunkte an den Standplätzen selbst anbringen und nach der Begehung wieder entfernen muss. Die mobilen Sicherungspunkte werden mit Klemmkeilen, Friends, Sanduhrschlingen und Schlingen an Felsköpfen angebracht. Das Erkennen und richtige Setzen erfordert dabei viel Erfahrung, die man sich nur mit viel Übung aneignen kann. Das Clean/Trad Klettern folgt der Ethik, keine Spuren und vor allem Beschädigungen am Fels zurückzulassen und wird beispielsweise im Elbsandsteingebirge (GER), in vielen Granitwänden in Chamonix (FR) und im Yosemite Valley (USA) praktiziert. Heutzutage gibt es auch häufig Routen, die zumindest an den Standplätzen fixe Sicherungspunkte aufweisen und man so nur für die Zwischensicherungen selbst sorgen muss.

Allgemein kann man Clean/Trad mehr als eine Kletterart definieren als einen Begehungsstil, da man eine Route Clean/Trad sowohl Onsight, Flash, Rotpunkt, Pinkpoint als auch im Top rope/Nachstieg begehen kann. Mittlerweile hat sich extra für das Clean/Trad Klettern noch ein weiterer Begehungsstil etabliert, das sogenannte „Greenpointing“, wo man eine Route, obwohl diese mit Bohrhaken abgesichert ist, trotzdem Clean/Trad klettert. Es zählt aber nur, wenn man die Route im Vorstieg klettert. Man mag sich jetzt fragen, wieso man das macht, wenn es doch Bohrhaken gibt. Dafür gibt es jedoch viele Gründe. Zum Beispiel gibt es Kletterer, die einfach gerne mit Friends und Keilen herumhantieren oder Anfänger, die sich erst langsam an das Thema Trad Klettern herantasten möchten und gerne Bohrhaken als Backup haben möchten. Außerdem gibt es vielleicht Kletterer, die sich in einem Gebiet mit Routen weit unter dem eigenen Schwierigkeitsniveau aufhalten und wo das selbstständige Anbringen von mobilen Sicherungsmitteln da einen gewissen Pep mit reinbringt.


Toprope/Nachstieg

Toprope bedeutet, dass man eine Route gesichert am Seil klettert, das bereits oben durch den Umlenkhaken verläuft. Man ist somit stets von oben gesichert. Diese Art ist vor allem für Anfänger und Kletterer mit Sturzangst geeignet. Wichtig dabei ist, dass der Umlenker absolut sicher ist, denn nach dem Aushängen der letzten Expressschlinge, ist der Umlenker der einzige Fixpunkt, an dem das Seil noch befestigt ist. Das Seil darf sich daher niemals ungewollt aushängen, deshalb gilt das Prinzip der Redundanz. Es muss beispielsweise bei einem normalen Schraubkarabiner, der an einem Ring- und Klebehaken befestigt ist, unbedingt noch eine zusätzliche Expressschlinge dazu gehängt werden. Der Begriff Nachstieg wird synonym verwendet, kommt aber eigentlich aus dem alpinen Raum, wo man mehrere Seillängen klettert. In der Regel klettert der Vorsteiger im Vorstieg hinauf, richtet den Standplatz ein und sichert dann den nachkommenden Kletterer im Nachstieg hinauf. Danach steigt im Sinne der Wechselführung der zuletzt nachsteigende Kletterer die nächste Seillänge vor und sichert dann den ehemaligen Vorsteiger im Nachstieg zu sich hinauf. 

Rope Solo

Bei diesem Begehungsstil klettert man allein, das heißt ohne einen Seilpartner. Man sichert sich jedoch selbst am Seil. Dieser Begehungsstil ist eher etwas für Spezialisten. Man kann entweder bei Einseillängenrouten das Seil bereits im Umlenker vorinstallieren und dann gesichert an einer Steigklemme oder Prusikschlingen aufsteigen. Möchte man eine Mehrseillängenroute machen, dann muss man sich selbst im Vorstieg sichern. Man baut den Standplatz, steigt dann gesichert die erste Seillänge vor und baut den zweiten Standplatz. Anschließend muss man die Seillänge aber wieder gesichert abklettern um den unteren Standplatz abzubauen und die Zwischensicherungen einzusammeln. Das bedeutet, dass man jede Seillänge jeweils im Vor- und im Nachstieg klettern muss.

Free Solo

Heinz Zak, Separate Reality 5.11d, Free Solo, Yosemite-Nationalpark, Kalifornien, USA
Foto: Heinz Zak, CC BY-SA, www.commons.wikimedia.org
Man klettert eine Route im Alleingang und aus eigener Kraft. Auf jegliche künstliche Sicherung wie Seil und Haken wird verzichtet. Zur Ausrüstung gehören lediglich Kletterschuhe, ggf. ein Kletterhelm und ein Chalkbag. Ein Sturz hat fatale Folgen. Neben Einseillängenrouten werden vor allem auch Mehrseillängenrouten Free Solo geklettert. Free Solo-Klettern ist die wohl reinste Form des Kletterns, da man frei von Sicherungen ist. Die bekanntesten Vertreter des heutigen Free Solo-Kletterns sind Alex Honnold (USA), Alexander Huber (GER) und Dani Arnold (CH). Alex Honnold kletterte 2017 die Route „Freerider“ (5.12d/IX+) am El Capitan im Yosemite Valley Free Solo. Das Unternehmen wurde von einem Filmteam begleitet und 2019 wurde der Film sogar mit einem Oskar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die wohl bekannteste Free Solo-Route von Alexander Huber ist die „Hasse Brandler“ (VIII+) an der Großen Zinne Nordwand. Die „Comici-Dimai Route“ (VII), ebenfalls an der Großen Zinne Nordwand, gelang Dani Arnold 2019 im Free Solo-Speed-Rekord in nur 46 Min. und 30 Sek. Der bereits verstorbene Alpinist Hansjörg Auer (AUT) schrieb mit seiner Free Solo-Begehung der Route „Weg durch den Fisch“ (IX-) an der Südwand der Marmolada 2007 Alpingeschichte. Hansjörg Auer starb 2019 zusammen mit David Lama und Jess Roskelley in einer Lawine beim Abstieg des Howse Peak in Kanada.  

Trailer „Free Solo“

Free Solo - Trailer | National Geographic
Video: National Geographic

Deep Water Soloing

Deep Water Soloing
Deep Water Soloing
Foto: Seth Mazow, www.flickr.com
Damit bezeichnet man Free Solo-Klettern über tiefem Wasser, welches den Kletterer bei einem Sturz auffängt. Deep Water Soloing (kurz DWS) Wände sollten am besten senkrecht, bestenfalls sogar leicht bis stark überhängend sein, damit man bei einem Sturz nicht auf Bändern oder Absätzen landet, sondern direkt im Wasser. Je nach Höhe der Wand, muss jedoch der Wasseraufprall und die Wassertiefe beachtet werden. Man erreicht die Einstiege entweder mit einem Boot, man seilt über die Wand ab oder man klettert seitwärts zum Einstieg. Meistens muss man nach dem Durchstieg ins Wasser springen, nur selten gibt es Routen, in denen man oben aussteigen kann. Falls man ins Wasser stürzt oder man am Ende sowieso ins Wasser springen muss, dauert es erst einmal, bis Kletterschuhe und Chalkbeutel wieder trocken sind und man eine neue Route klettern kann. Bestenfalls hat man für Ersatzausrüstung gesorgt.

Wettkampf Deep Water Soloing in Patagonien

Patagonia Deep-Water Soloing | Red Bull Psicobloc | Red Bull Cliff Diving
Video: Red Bull

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