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Blick über die "Karwendelgrube" zur Nördlichen Linderspitze

Bewertung

Aus Mittenwald über den Karwendelsteig auf die Westliche Karwendelspitze

Details

Benedikt Hofrichter 

24.02.2020 · Community
Mittenwald Karwendelbahn – Mittenwalder Hütte – Karwendelsteig – Westliche Karwendelspitze – gleicher Rückweg Als Vorbereitung für den im Sommer anstehenden Walser-Ultratrail bleibt es mir in diesem Jahr nicht erspart, bereits zeitig in die Berge zu gehen. Weniger wichtig ist dabei die Geschwindigkeit oder die Distanz, es kommt mir eher darauf an, den Körper wieder an 8 plus X Stunden am Berg bzw. in Bewegung zu gewöhnen. Da Mittenwald gut zu erreichen ist, und ich Lust auf ein wenig was Technisches hatte, fiel meine Wahl auf den Mittenwalder Höhenweg. Die Neuschnee- und Lawinenlage der letzten Tage sah positiv aus, unsicher war ich aber im Hinblick auf den letzten Teil des Karwendelsteigs von der Stütze bis hin zum „Ausstieg“ in die Karwendelgrube, steilt es sich dort doch nochmal auf. Da ein Spezl Lust auf eine Schitour hatte, konnte ich mit diesem von Freising aus mitfahren. Um kurz vor halb Zehn waren wir dann am Parkplatz der Karwendelbahn, und mir kamen bereits ernste Zweifel, ob der Höhenweg tatsächlich zeitlich machbar sein würde. Nach dem Abklären der Formalitäten (Rückfahrt, Alarmierungszeit etc.) ging es dann ab und auf. Nach einer Stunde war ich um halb Elf an der Mittenwalder Hütte. Der Steig war im unteren flacheren Teil bis zu den „Erzgruben“ oberflächlich mit Eis überzogen, später war an den lichten Stellen im Wald der Steig ein wenig verschneit bzw. ebenfalls vereist. An der Hütte gabs das erste Brot und die Hardshell-Garnitur wurde zum Schutz gegen den doch recht ordentlichen Wind angelegt. Zudem schüttete es für fünf Minuten auch ein wenig stärker. Das gefiel mir weniger, Stichwort „Durchfeuchtung der Schneedecke“, aber wie im Bergwetterbericht vorausgesagt war es der einzige kurze Schauer für den Vormittag. Nur der Wind blieb anhaltend stark böig. Um Elf machte ich mich wieder auf den Weg. Der Schnee wurde nun mehr, die Steigeisen legte ich aber erst nach der Leiter an. Danach folgte die Umrundung der „Wanne“, trotz des Schnees war der Verlauf des Steigs gut zu erkennen. Der Schnee war kompakt und (noch) einigermaßen trocken, gute Voraussetzungen dafür, das Nutzen von Pickel und Steigeisen in und an steileren Hängen zu vertiefen. In den Latschen knapp unterhalb der Stütze verstieg ich mich kurz, war aber kurz darauf wieder auf dem richtigen Dampfer. Zeitlich war es abzusehen, dass es sich mit dem Höhenweg nicht ganz ausgehen würde (ca. 12:15h). Es ging ohne großen Höhengewinn weiter, zwischendrin spitzten immer wieder Versicherungen aus dem Schnee. Die Seile selbst konnte ich aber nicht aus dem Schnee ziehen. Die letzten zweihundert Höhenmeter hatten es dann nochmal in sich. Die Routenfindung war denkbar einfach (nur hinauf), aber ich Schlauberger wollte unbedingt doch noch Felskontakt und stieg nach rechts in die Schrofen, die sehr schnell nur noch Fels wurden und stärker als mir lieb war aufsteilten. Nach einem roten Schlaghaken mit Ring wurde es mir doch a weng sehr heikel und ich stieg wieder hinunter. Die Rinne zog sich nochmal, stark pumpend stand ich dann doch ein wenig überrascht um kurz vor Drei an der Karwendelgrube. Ja, es war drei Uhr. Öha. Junge Junge. Den Klettersteig konnte ich vergessen, aber insgeheim war mir das schon nach der Zwischenzeit unter der Stütze klar. Um 15:15h stand ich bei starkem Wind am Gipfelkreuz der westlichen Karwendelspitze und blickte hinüber zur Birkkarspitze und ins Herz des Karwendels. Das zweite Brot gabs dann unten am Fernrohr. Ein Abstieg übers Dammkar mit anschließendem Ochsenbodensteig stand nicht oben auf der Wunschliste, ich wollte den Aufstiegsweg auch wieder zurück. Ohne den Wind merkte ich auch erst, wie warm es tatsächlich war. Beim Abstieg machte sich das dann auch im Schnee bemerkbar, er wurde zunehmend feuchter und nach der Seilbahnstütze war auch Wasser mit im Spiel. Die Stahlseile konnte ich nun relativ leicht durch Zug freilegen. Es setzte nun auch der „Mont-Ventoux“-Effekt ein – das Gamseck war zum Greifen nahe, aber jedes Mal legte sich doch noch eine Rinne in den Steig, eine weitere Traverse, ein weiteres Schneefeld. Pünktlich zum Sonnenuntergang war ich wieder bei der Leiter und legte dort die Steigeisen ab und die Stirnlampe an. Derweil hatte ich mich auch mit meinem Schi-Spezl darauf verständigt, dass er nicht auf mich warten muss. Schließlich hat Mittenwald einen hervorragenden Bahnanschluss an die große weite Welt. Um 19:10h stand ich wieder an der Talstation der Karwendelbahn und konnte mit der Bahn nach Freising zurück fahren.
Gemacht am 23.02.2020
Foto: Benedikt Hofrichter, Community
Foto: Benedikt Hofrichter, Community
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